Von inneren Unsicherheiten und Zu-Fällen
Von Sebastian Wickel
Kennst du so Phasen innerer Unsicherheit?
Du hast etwas vor, findest es gut, aber so ein Funke Zweifel würzt das Ganze. Oder auch: Du bist voller Begeisterung, teilst deine Idee und die ersten Reaktionen deines Umfeldes scheinen zu widersprechen? Oder auch: Du bewegst es bislang im Herzen, hast dich noch nicht getraut es mit Worten rauszuholen und bist im Hamsterrad des permanenten Abwägens?
Ich kenne so Phasen. Nicht immer sieht man sie mir an. Es ist ein bisserl wie bei Jesus: Häufig bekommt sie nur ein kleiner Kreis mit (Matthäus 26,36-46; vgl. Matthäus 17,1-9).
Interessant finde ich, wie Gott immer mal wieder damit umgeht.
Ich bin im Urlaub mit der Family. Auf dem Weg zum Toilettenhäuschen steht eine Bank. Nichtsahnend gehe ich an ihr vorbei. Ein schwarzes Buch mit überdimensionaler weißer Taube springt mir entgegen. Ich lese den Titel „Was ist Neuevangelisierung?“. Unmittelbar folgt in meinem Geist der Blick nach oben. „Gott? Dein Werk?“. Kurz blättere ich durch. Mein Gewissen erlaubt mir aktuell noch nicht das Buch einfach mitzunehmen. Vielleicht vergaß es einer. „Ok, Vater im Himmel, wenn es heute Abend noch hier liegt, dann nehme ich es mit.“
Es ist Abend. Das Buch liegt noch da. Aber mein Gewissen gibt mir den Zugriff auf den potentiellen Zufall noch nicht frei. „Ok, Vater, sagen wir, wenn es morgen früh noch hier liegt, dann nehme ich es mit.“
Der nächste Tag. Du ahnst es. Das Buch ist …
… noch da. Und ich nehme es mit. Ein Drittel des Buches habe ich aktuell gelesen. Möglicherweise hat Gott seine Pointe schon gesetzt. Mal sehen, ob eine zweite folgt. Für einen Zufall halte ich das Buch nicht mehr. Es ist ein Zu-Fall. Gott zieht Fäden. Manchmal auch mit Büchern, die auf Bänken rumliegen.
Worum’s Gott ging in dieser Phase? Das mach ich zunächst mal noch wie Maria und “bewahre es im Herzen” (Lukas 2,19) - auch wenn meine innere Unsicherheit kleiner geworden ist…
Vielleicht müsste ich sogar sagen: „Sie ist weg…“. Ich find sie zumindest in dieser Sache, um die es Gott ging, grad nicht mehr.