ChancenViertel – Was klingt nach?
Von Sebastian Wickel
Hello liebe Freunde und Freundinnen junger Menschen,
ChancenViertel. Abend drei. Es ist 21:15 Uhr. Unsere Abschlussrunde. Wir sitzen zu fünft in der Selig.bar. Ehrlicherweise wollte ich „nur“ hören, was bei ihnen rumkam. Aber dann merke ich, was bei mir anklingt, während ich ihnen zuhöre.
Ein kleiner Einblick in das Begegnungs-Erleben am dritten Abend und was unser miteinander reisen im Chancenviertel mit mir machte.
„In welcher Rolle braucht die Welt jemanden wie mich?“
Ich sitze da, höre zu und wiederhole langsam den Satz, den ich soeben hörte. „In welcher Rolle braucht die Welt jemanden wie mich?“. Ich war bewegt – und bin‘s noch immer. Das war nicht das Übliche. Kein „Wie hole ich alles raus?“. Kein „Wie find ich den perfekten Platz?“. Kein „Was bringt’s mir?“. Einfach ein: „In welcher Rolle braucht die Welt jemanden wie mich?“. Ob das exakt die Frage ist, weiß die Person noch nicht. Aber ihr nachzugehen, ist der nächste Schritt, den sie nun setzt. Und ich bin gewiss: Diese Frage birgt Potential. Offenbarungspotential. Für ihn – für mich – für uns.
Von Umständen und ausgewählten Problemen
Ich sitze da und fiebere mit: „Ich lasse meine Umstände darüber entscheiden, wie ich mich fühle, wie ich mich verhalte und was ich tue. Das ist zu bequem.“ Bestaunenswert direkt und offenherzig formuliert. In mir steigt die Spannung: Welcher nächste Schritt folgt? Welche Haltung wird’s werden, die der junge Mensch nun wählt? Als ich seinen nächsten Schritt höre, wird mir warm ums Herz. „Mein nächster Schritt? - Bequemlichkeit ablegen. Probleme sehen und lösen, statt zu ignorieren. Ausgewählte Probleme löse ich.“ Nachgeklungen ist mir vor allem die gesunde Nüchternheit. Ausgewählte Probleme. Nicht alle, aber eben ausgewählte.
Was möchte ich in 5 Jahren über mich lesen?
Ich sitze da und denke: „Die Fragen sind entscheidender als die Antworten.“ Am ersten Abend bekamen alle die gleiche Aufgabe: „Überlege, was du in 5 Jahren über dich lesen willst, das du in dieser Lebensphase im Sommer 2026 getan hast. Welche Haltung, welchen Fokus, welche Doings?“ Es folgten 15 Minuten schreibende Stille. Ich sah Köpfe über Tischen. Kugelschreiber, die notieren. Menschen, die überlegend immer wieder nach oben schauen. Und dann am letzten Abend wurde offenbar, was ich vorher dachte. Es könnte sein, dass für manche nicht der Input, sondern eine Frage entscheidend ist. Genau so war es. Zwei benannten als wichtigsten Gedanken der Reise im C4, dieser Frage nachgegangen zu sein - und fortan immer wieder gehen zu können.
Und ein bisschen Philosophie?
„Früher waren Sterne wichtig zur Navigation. Welche universellen Dinge haben ihre Eigenschaften (teilweise) verloren?“. Das kann man sich ja mal fragen, oder? J Ich freute mich von Herzen über diesen Satz. Warum? Junge Menschen wachsen in einer Welt auf, wo sie den Eindruck haben können: Alles ist vermessen. Google Maps ermöglicht jede Reise mit perfekter Wegführung und nahezu minutengenau planbar. So ist das Leben in dieser Welt aber nicht.
Ich bin mit Freunden 2005 noch mit einer A2-Landkarte nach Paris reingefahren. Wir standen vor der Kunst unser Hostel zu finden. Ich wuchs auf und wusste: „Im Zweifel guck ich unterwegs nochmal.“ Heute wachsen junge Menschen auf und könnten denken: „Sch… ich hab kein Netz! Und Jetzt?“ Fürs echte Leben gibt’s keine fertige Reiseroute. Es gibt Hinweisschilder, Weggefährten und Erfahrungswerte. Aber keinen fertigen Routenplan. Auf See waren‘s früher gar nur die Sterne. Sterne sind vergleichbar mit Werten. Sie leuchten weit oben. Egal, wo ich bin, da kann ich hingucken und weiß immerhin schon einmal grob die Richtung wie ich vorgehe. Universelle Dinge eben. So philosophisch sind sie gar nicht.
Und so wurde es irgendwann 23:30 Uhr. Der letzte Mitmensch ging heim. Reise rum… bedingt. Denn ich freue mich schon auf die nächste Tour im ChancenViertel. Wegen dem, was junge Menschen mitnehmen. Und dem, was bis dahin und dann in mir nachklingt. Schaun mer mal… J
Kommst du mit zur nächsten Reise?
„Wie gestalte ich ein gutes Miteinander?“.
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