Kreaktiv und ich und wie Gott auch Kugelschreiber nutzt...

Von Hannes aus Simmersbach

 

Meine FeG hat letztes Jahr einen Abend mit Sebastian „gewonnen“. Warum? Aus unserer Gemeinde hatten die meisten Leute den Geschichtenschreiber abonniert. (Anm. d. Red: siehe die DGSC-Challenge)

 

Vom einzig anderen Kugelschreiber

An diesem Abend lag auf jedem Platz ein beiger Geschichtenschreiber"-Kuli. Nur auf meinem Platz nicht. Dort lag stattdessen ein schwarzer Kugelschreiber mit der Aufschrift „72.jüngerschaft".

 

Während des Abends ließ mich die Frage nicht los, was es mit „72 Jüngerschaft" auf sich hatte und warum ausgerechnet auf meinem Platz dieser Kugelschreiber lag. Also bin ich nach dem offiziellen Teil zu Sebastian gegangen und habe nachgefragt.

 

Es war offensichtlich nicht geplant gewesen, dass sich dieser Kugelschreiber unter die anderen gemischt hatte. Sebastian meinte: Wenn mich wirklich interessiere, was es mit „72 Jüngerschaft" auf sich habe, könne ich mich gerne für das Netzwerktreffen anmelden, das ein paar Wochen später in Frankfurt stattfinden würde (Anm. d. Red.: Auch dieses Jahr hier möglich).

 

Vom „wohin fahren“, wo mich keiner kennt…

Für mich völlig untypisch, habe ich mich noch im Gemeindehaus für das Netzwerktreffen angemeldet - ohne zu wissen, ob ich dort überhaupt jemanden kennen würde.

Zur Verabschiedung lud mich Sebastian außerdem zur Kreaktiv-Weihnachtsfeier am nächsten Abend ein. Mit seiner Aussage „Da ist auch der ein oder andere, der ebenfalls zum 72.netzwerktreffen fährt", war ich überzeugt. Ich wusste, wo ich meinen nächsten Abend verbringen würde.

Wer mich kennt, weiß, dass allein der Gedanke, irgendwo hinzufahren, wo ich niemanden kenne und am Ende mit fremden Menschen reden muss, ziemlich stressig für mich ist. Wenn möglich, würde ich solche Situationen eher vermeiden. Jetzt hatte ich mich an einem Abend direkt in zwei solcher Situationen gebracht. Aber irgendwie fühlte es sich einfach richtig an.

 

Meine Schritte ins Unbekannte

Also bin ich am nächsten Abend zur Weihnachtsfeier gefahren. Tatsächlich kannte ich dort sogar die ein oder andere Person. Glücklicherweise hat mich Sebastian außerdem mit jemandem bekannt gemacht, der mich mit nach Frankfurt zum Netzwerktreffen nehmen konnte.

Die paar Wochen vergingen und es kam, wie es kommen musste: Kurz vor dem Netzwerktreffen hatte ich ein gesundheitliches Problem. Eine Woche vorher war klar, dass am Freitag, an dem es nach Frankfurt gehen sollte, eine kleine ambulante Operation notwendig sein würde. Für mich war klar: „Okay, dann habe ich morgens die Operation, ABER mittags fahre ich nach Frankfurt. Ich habe ja zum Glück eine Mitfahrgelegenheit.“ So kam es dann auch: Freitagmorgen um 8 Uhr ins Krankenhaus, um 9 Uhr die Operation, um 12 Uhr wieder nach Hause und um 16 Uhr ab nach Frankfurt. Glücklicherweise ging es mir super. Ich war weder ungewöhnlich erschöpft noch hatte ich sonstige Nachwirkungen.

Und dann in Frankfurt? Ich war noch keine 20 Minuten vor Ort, da kam ein alter Klassenkamerad von mir herein. Jetzt war für mich jeglicher Stress, der mit dem Gedanken „Ich kenne hier doch keinen wirklich" verbunden war, verschwunden. So richtig spannend wurde das Netzwerktreffen am zweiten Tag. Es ging darum, sich mit Leuten aus seiner Stadt zusammenzusetzen und zu überlegen, was gerade alles anliegt und welche Herausforderungen es gibt. Logischerweise stand ich dann komplett alleine da. Kein besonders gutes Gefühl. Sebastian kam zu mir und meinte: Entweder kannst du alleine für deine Gemeinde bzw. dein Dorf überlegen, oder du kommst einfach bei uns zum Kreaktiv dazu.

Dieser Einladung bin ich gefolgt. So hörte ich in dieser Runde zum ersten Mal von der Problematik, dass Kreaktiv im Umbruch ist und einige aus dem Vorstand des Vereins ihr Amt niederlegen. Als kompletter Außenstehender konnte ich eigentlich nur dazu beitragen, dass so ein Wechsel auch sehr viel Potenzial mit sich bringen kann. Immerhin J. Am Ende des 72.netzwerktreffens war für mich klar: Ich habe Zeit und ich möchte mich gerne in etwas investieren. In was und wo, war zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen unklar.

 

Vom Viertel an Chancen

Kurz danach durfte ich an einer Reise vom “Chancenviertel” im Kreaktiv teilnehmen. Hier ging es darum, seine Stärken zu erkennen, und wie man sie im Alltag nutzen kann. Das war super spannend. Hat mir aber nicht bei der Frage weiter geholfen, wo ich mich investieren möchte.

Aber: Seit dem lässt mich das Thema Kreaktiv und auch das Wegbrechen des Vorstands nicht mehr wirklich los. Zwar hab ich zwischendurch auch immer mal einige Wochen gar nichts vom Kreaktiv gehört und war auch bei keiner der Veranstaltungen. Aber ich hatte immer wieder den Gedanke: “Du musst mal wieder nach Dillenburg zum Kreaktiv-Geschehen.”

Vor ein paar Wochen wurde das erste Video zum „Quo Vadis, Kreaktiv?“ in unserer Gemeinde gezeigt. Eindeutig war kommuniziert: Entweder es findet sich ein neuer Vorstand oder der Verein hat keine Zukunft mehr. Ich saß da und war ziemlich geschockt.

Seitdem ist „Kreaktiv“ kein Gedanke mehr, der mal kommt und mal geht. Für mich ist klar: Wenn es eine Veranstaltung vom Kreaktiv gibt, bin ich da. Ich bin begeistert, davon, wie Gott in dem Prozess der Frage, „Wie geht es mit dem Verein weiter?“ spricht. Zu uns. Zu mir. Er zeigt sich mir dadurch auch auf neue Art und Weise. Jetzt ist für mich klar: Wenn es für den Verein weiter geht, ist das der Ort, an dem ich mich Investieren werde. Sollte es nicht weiter gehen, dann hat Gott sich mir in dieser Phase ganz neu gezeigt und ich durfte geistlich wachsen. 

Wenn ich heute zurückblicke, hätte ich vor einem Jahr - als ich zum Abend mit Sebastian in unserer Gemeinde ging - nicht gedacht, dass Gott durch einen so einfachen Kugelschreiber eine Geschichte schreiben will. Jetzt weiß ich es J. Eine Geschichte, in der er sich mir gleich mehrfach und ganz deutlich gezeigt hat. Und so denke ich: „Manchmal lohnt es sich mutig zu sein und Dinge zu tun, die man für gewöhnlich eher meidet.“

Und was dazu kommt: Mittlerweile ist es auch deutlich weniger schlimm für mich, irgendwohin zu gehen, wo ich nicht weiß, ob ich jemanden kennen könnte. Schwer fällt es mir dennoch, aber es ist schön zu merken, wie Gott an mir „arbeitet“!

 

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Überrascht, enttäuscht, ermutigt, mal sehen - Meine Reise zu Kre:aktiv

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Wenn der nächste Schritt die Logik des Vertrauens ist…