Von Magdalena aus Eibach
Warum müssen Füße erst nass werden?
Ich habe mich schon oft gefragt, warum die Füße nass werden mussten: Als die Priester die Bundeslade durch den Jordan tragen sollen, lag ein Hindernis vor ihnen. Der Fluss war über die Ufer getreten, und die Priester sollten die schwere Bundeslade durch den Jordan tragen. Gott spricht zu Ihnen im Buch Joshua Kapitel 3,11-17, dass ihre Füße erst das Wasser berühren müssen. Erst wenn ihre Füße im kalten Wasser stehen, spüren, wie unüberwindbar dieses Hindernis ist, lässt Gott durch seine Kraft den Jordan aufstauen und sie gehen trockenen Fußes durch das Flussbett auf die andere Seite des Jordan.
Als ich zum ersten Mal diese Geschichte las, hielt ich inne. Warum erst ins Wasser gehen? Warum erst die Mühe, die ersten Schritte zu tun, warum nicht direkt warten, auf Gottes Wirken, auf das Wunder, dass er doch sowieso versprochen hat? „Warum der Umstand, Gott?“
Nun weiß ich sicherlich nicht, was sich Gott dabei denkt, aber mein Gedanke war: Gott macht sich nicht klein und auch nicht das Wunder, das er tut. Er lässt die Priester ins Wasser treten, sie am eigenen Leib spüren, was es bedeutet, wenn Gott nicht eingreift, wenn er kein Wunder tut. Dann tut er es. Gesund zu sein, ist ein Privileg, aber ein Wunder entsteht erst, wenn vorher eine tödliche Diagnose im Raum stand. Es ist ein Privileg und Geschenk, Rechnungen pünktlich bezahlen zu können, aber erst wenn die Hosentasche und das Konto leer ist und unerwartet Geld im Briefkasten liegt, wird die bezahlte Rechnung zum Wunder. Erst, wenn wir wahrhaftig am eigenen Körper spüren, was es bedeuten würde, wenn Gottes eingreifen ausbleibt, wird sein Handeln überwältigend und erreicht nicht nur unseren Verstand, sondern auch unser Herz, weil wir am eigenen Leib gespürt haben, was es bedeuten würde, wenn Gott in der Geschichte nicht vorkommt.
Als ich nasse Füße bekam…
Anfang des Jahres besuchte Sebastian Wickel unseren Gottesdienst, um zu predigen. Wir unterhielten uns und er erzählte mir von der Arbeit bei Kreaktiv. Ich war am Ende meiner Elternzeit, sollte eigentlich in einem Monat wieder meine Arbeitsstelle antreten und hatte einen unbefristeten Vertrag. Mein Arbeitgeber teilte mir mit, dass sie keinen Platz für mich hätten und Arbeitslosigkeit und fehlendes Einkommenlagen vor mir. Kein Job mit Kind und (finanzieller) Verantwortung: „nasse Füße. Sebastian bete für mich.“
Und dann? Gott tauchte auf. Sein Timing war perfekt. Plötzlich fand ich eine neue Arbeitsstelle. Als ich vor kurzem dann las, dass die Frage im Raum steht, wie es mit der Arbeit für junge Menschen im Kreis des Bundes der FeG weitergehen soll, bewegte sich etwas in mir, was schon Anfang des Jahres durch die Begegnung mit Sebastian losgetreten wurde. Ich fragte mich, ob eine Mitarbeit bei Kreaktiv eine Aufgabe für mich sein könnte. Junge Menschen habe ich schon lange auf dem Herzen, angefangen damit, dass ich als Jugendliche selbst Jungschar gemacht habe. Über langjährige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus sozial herausfordernden Umständen und dem Anliegen als Erwachsene, die selbst ein Kind hat, junge Menschen positiv zu prägen.
Ich selbst wurde in meiner Zeit als Jugendliche und vor allen Dingen als junge Erwachsene so massiv von Menschen positiv beeinflusst, die ihr Herz und Leben für mich geöffnet haben, dass es bis heute nachhallt. Ich erinnere mich dabei an eine junge Familie, aus Jordanien, mit denen ich letztlich nur vier Monate zusammen auf dem gleichen Kontinent lebte. Aber sie öffneten ihr Leben und ihr Herz und wurden mir zu einem enormen Segen. Heute staune ich oft darüber, dass es nur vier Monate waren. Wie schnell vergehen in meinem Alltag mittlerweile vier Monate… Aber diese kurze Zeit beeinflusst mich bis heute so stark.
Von Senfkörner und den Anfängen
In der letzten Zeit stieß ich oft auf das Gleichnis vom Senfkorn: Ein kleines Senfkorn im Reich Gottes genügt für große Auswirkungen. Das, was diese Familie gegeben hat, war aus ihrer Sicht vielleicht nur ein Senfkorn, aber in meinem Leben wurde es zu einem Baum.
Als mir die Frage begegnete, wie es mit Kreaktiv und der Arbeit mit jungen Menschen weitergeht, erhielt ich keinen „Ruf“ von Gott, kein eindeutiges Wort oder einen klaren Auftrag. Mein Mann und ich beten immer wieder darum, dass Gott uns da einsetzt, wo er uns haben will. Mein Wirkungsradius fühlt sich mit Haus und Kind und Arbeit und all den Verantwortungen, die ich habe heute in meinen Dreißigern sehr viel kleiner an, als er sich in meinen Zwanzigern angefühlt hat. Meine Prioritäten sind anders und meine Ressourcen auch. Bei der Frage, was ist mein Anteil bei Kreaktiv sein kann, bleibt meine Antwort aktuell: ich habe ein Senfkorn. Nicht mehr und auch nicht weniger. Es ist ein Bedarf da, ich habe ein Herz und Fähigkeiten, und meine Ressourcen sind eben nur ein Senfkorn. Aber das Gleichnis von Jesus hat mich ermutigt zu sagen: „Okay, dieses kleine bisschen gebe ich.“ Und es ist gut. Und ich warte was Gott damit vorhat. Vielleicht ist es mein Anteil, im Rahmen von Kreaktiv junge Menschen positiv zu prägen. Das war meine Motivation, Sebastian zu schreiben und zu sagen: „Hier bin ich. Das kann ich. Und wir schauen, was Gott tut.
Das Senfkorn anzubieten, beinhaltet Risiken, Verantwortung sind im Hinterkopf, der eigene Anspruch und die Frage, ob man dem gerecht wird. Aber hier kommt kommen für mich die nassen Füße wieder ins Spiel. Das Senfkorn zu geben, bedeutet etwas „zu verlieren“, etwas wegzugeben, etwas zu riskieren, nasse Füße zu bekommen. Aber ich vertraue darauf, dass Gott tut, was er vorhat und ich weiß, dass er immer mit einem Senfkorn in seinem Reich etwas anstellen kann.
Deshalb brauchen wir nasse Füße: weil es das Zeichen ist, dass wir Gott vertrauen und zeigt: „Gott, ich setze auf dich. Hier musst du jetzt handeln.“ Und den Rest erledigt er.